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Siegessäule in Berlin

Ein Besuch der Siegessäule gehört für jeden Berlin-Touristen quasi zum Pflichtprogramm und zählt - wie das Brandenburger Tor oder der Fernsehturm - zu den Wahrzeichen unserer Hauptstadt. Egal ob man das markante Denkmal nur von einem vorüberziehenden Bus aus bestaunt oder tatsächlich die Wendeltreppe erklimmt und den atemberaubenden Blick auf den Tiergarten und die zu Füßen liegende Stadt genießt, entgehen lassen sollte man sich diese Sehenswürdigkeit auf keinen Fall.

Die "Goldelse" ist Wahrzeichen von Berlin

Die Goldelse auf der SäuleInmitten eines großen Kreisverkehrs ragt die Siegessäule auf ihrem Turm 67 Meter in die Höhe. Hoch oben hat die Siegesgöttin Viktoria - oder die "Goldelse", wie die glänzende Statue von den Berlinern liebevoll genannt wird - ein wachsames Auge auf die Stadt an der Spree. Durch ihren Adlerhelm sehen in ihr aber auch viele die Borussia, die Personifikation Preußens. Die über acht Meter große Bronzefigur mit Lorbeerkranz und eisernem Kreuz wiegt alleine rund 35 Tonnen und wurde von dem Bildhauer Friedrich Drake erschaffen. Ihre Gesichtszüge hat sie übrigens von Victoria von Großbritannien und England, die zur damaligen Zeit Kronprinzessin in Preußen war und später Deutsche Kaiserin werden würde. Wer der geflügelten Göttin einen Besuch abstatten will, muss etwas Kondition mitbringen und 285 Stufen bewältigen. Belohnt wird er dafür mit einem herrlichen Blick auf den größten Park der Stadt, den Tiergarten, und das benachbarte Schloss Bellvue.

Die Geschichte der heutigen Touristenattraktion

Von 1864 bis 1873 nach Plänen von Johann Heinrich Stark erbaut, stand die Siegessäule ursprünglich auf dem heutigen Platz der Republik (damals "Königsplatz"). In Auftrag gegeben hatte sie Kaiser Wilhelm I. Dabei soll sie an drei wichtige Siege erinnern, die heute als die "Einigungskriege" bekannt sind: den Sieg Preußens im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, den Krieg gegen Österreich im Jahr 1866 sowie den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871. An diese kriegerischen Taten erinnern die vergoldeten Geschützrohre, mit denen der Säulenschaft verziert ist. Der verzierte Sockel stellt mit vier Bronzereliefs den siegreichen Einzug der Truppen nach Berlin im Jahr 1871 dar. Das von Anton von Werner gestaltete, farbige Mosaik glorifiziert die deutsche Reichsgründung.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Siegessäule an ihren heutigen Standort versetzt, da sie Hitlers Plänen für seine Welthauptstadt "Germania" wortwörtlich im Weg war. Zur selben Zeit wurde sie auch um eine vierte Sandstein-Trommel erweitert. In den 1940er Jahren wurden die vier Torhäuser erbaut, durch die man heute auf unterirdischem Weg zur Säule gelangen kann. Die Luftangriffe und die Schlacht um Berlin im Zweiten Weltkrieg überstand die Säule größtenteils unbeschadet. Mitte der achtziger Jahre und im Jahr 2011 wurde sie umfassend restauriert und steht inzwischen unter Denkmalschutz.

Zeitzeugin mit Panoramablick

Viktoria hat nicht nur viel Geschichte gesehen von ihrem Platz hoch oben über der Stadt, sie war fast genauso oft Bestandteil davon. 1945 hissten polnische Soldaten nach der Kapitulation Berlins ihre Fahne auf der Siegessäule. Die Sprengungspläne der Franzosen fanden nach dem Zweiten Weltkrieg bei den anderen Alliierten keine Zustimmung, also ließ man sie stehen. Ein weiterer Sprengstoffanschlag im Jahr 1991 ging glimpflich aus: da die Bombe nicht richtig zündete, wurde lediglich ein Stützpfeiler beschädigt. Jahrelang fand zu ihren Füßen die Abschlussparty der Love Parade statt, genauso wie zahlreiche Demonstrationen. 2008 sprach der spätere Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, an der selben Stelle zu einer Viertelmillion Menschen.